Eine Deichordnung für Kranenburg

Zu den unbestritten großen Leistungen des Dietrich von Horn (Herr und Pfandbesitzer von Kranenburg 1310 bis 1347) gehört die Verleihung eines ausführlichen Deichprivilegs, das er am 3. Februar 1343 den Hofbesitzern des Kranenburger Landes gewährte. Die darin vorgesehene Deichgenossenschaft (auch Deichstuhl) bestand aus allen Beerbten (Grundbesitzer), die sich dreimal im Jahr zum „Erbentag“ versammelten. Dieser Erbentag fiel später meistens mit den „Schautagen“ zusammen, an denen die Deichbesichtigung vorgenommen wurde. Der „Vorstand“ der Deichgenossenschaft bestand aus dem Deichgräfen und den Heimräten; dazu gehörten noch der Deichbetreiber und der Deichbote. Der Deichgräf –vom Landesherren ernannt- bildete in allen Deichangelegenheiten das Haupt der Verwaltung. Das Deichprivileg von Kranenburg sah sieben Heimräte vor, die von den Beerbeten gewählt wurden und anteilmäßig aus den einzelnen Bauernschaften stammen mussten: zwei für die Langen Hufen, einer für die kurzen Hufen, einer für die Hufen von der Hohen Straße zwischen den Neuenhofschen Feld und der Straße nach Groesbeek, einer für das „nederste Bruch“ (Legebroek), einer für Germenseel und einer für Wyler. Die sogenannte Düffelt erhielt gut 20 Jahre später ebenfalls ein solches Deichprivileg, und zwar erließ am 13. Juni 1364 Herzog Eduard von Geldern dieses Deichrecht, das übrigens auf ältere Entwässerungsrechte Bezug nahm. Diese Deichordnungen gelten als die ältesten ihrer Art in Europa und haben sich im grundsätzlichen bis heute erhalten.

Einige Entwicklungen des vorherigen und dieses Jahrhunderts soll im folgenden dargestellt werden: Die Deichdirektion Ooy (NL) hatte 1836 das Recht erhalten, zur Behebung von Quell- und Rückstauwasserproblemen ihre Deiche ein wenig abzutragen, diese Maßnahme erforderte aber andererseits die Anlage eines Querdamms, um das Kranenburger Land seinerseits vor Hochwasser zu schützen. Zu diesem Zweck fanden sich 1851 die Deichschauen Düffelt, Rindern, Kranenburg, Wyler und Zyfflich zusammen. Es entstand der (gemeinsame) Verband „Deichschau Querdamm“. Die Bauarbeiten am Querdamm begannen 1853, endeten 1855 und erforderten etwa 28.000 Taler. Eine harte Bewährungsprobe bestand der Querdamm bei dem Jahrhunderthochwasser des Jahres 1926. Die „Deichschau Querdamm“ hat wohl bis 1910 bestanden; 1928 wurde der bis heute bestehende Deichverband Kleve-Landesgrenze gegründet, zu dem die Deichschauen Düffelt, Rindern, Kranenburg und Zyfflich gehören; die beiden Letztgenannten schlossen sich 1978 zur „Deichschau Kranenburg“ zusammen.

 (aus „Kranenburg –Ein Heimatbuch- 1984)